National Day in Gibraltar

Heute musste ich aus dem Hostel in La Linea auschecken. Geplant war nach Tarifa zu fahren, etwa 40 Kilometer entfernt. Von dort geht dann eine Fähre nach Tanger in Marokko. Doch zuerst musste ich nochmal nach Gibraltar um ein paar Postkarten loszuschicken. Ich wollt eigentlich mit dem Roller reinfahren um etwas Zeit zu sparen. Einziges Problem: Der Roller machte wieder mal Zicken. Nach 5 maligem Treten ist er immer noch nicht angesprungen, was äußerst ungewöhnlich ist. Normalerweise springt er beim ersten oder zweiten mal an, geht dann nach ein paar Sekunden wieder aus und lässt sich dann beim nächsten Antreten starten und läuft dann durch. Diesmal nicht. Stattdessen ist mir der Kickerhebel auf der Welle immer wieder durchgerutscht, der ist schon extrem abgenutzt, da müsste wirklich bald ein neuer her. Also musste ich, natürlich alles mitten auf einer Marktstraße, immer wieder den Kicker neu anschrauben, damit er an der Welle greift. Aufgrund der fortgeschrittenen Abnutzung hielt das aber immer nur für 3 Startversuche. Und ich brauchte deutlich mehr. Nächstes Problem: Die Feder die die Welle mit dem Kickhebel nach jedem Treten wieder in ihre Ausgangsstellung zurück bringt sprang nach etwa jedem fünften Treten raus. Ein Klassiker mit dem ich ja nun schon seit Wochen zu kämpfen hab, aber inzwischen, durch ausreichende Übung, recht flott beheben kann. Muss nur den Kasten in dem der Keilriemen verläuft aufschrauben, Feder neu spannen und das ganze wieder zuschrauben. Ich wusste im Prinzip auch warum das immer wieder passiert und wie ich dieses Problem ein für alle mal beheben könnte, nur fehlte mir mehr oder weniger passendes Werkzeug dazu. Ein Wellenklemmring der die Welle auf der der Kickhebel sitzt in Position hält ist zu locker, deshalb kann er sich lösen und die Welle kann ein paar Millimeter nach innen rutschen, wodurch die Rückstellfeder rausspringen kann. Ne Zange wärs also.
Richtig frustrierend ist aber gewesen, dass der Motor so gar kein Lebenszeichen von sich gab, nicht mal ein kurzes Anlaufen. Und nach ein paar Versuchen musste ich immer wieder die Rückstellfeder neu einbauen. Meine Laune näherte sich also immer mehr einem Tiefpunkt. Als sich dann ein Auto durch die enge Marktstraße quetschen musste und dabei das Hinterteil meines Rollers an dem das Nummernschild befestigt ist über die ganze Beifahrerseite zog hat das meine Stimmung auch nicht grade gebessert. Die Frau hat nicht mal angehalten sondern ist weiter gefahren. Dafür hat sie jetzt nen weiteren Kratzer im Lack. Dem Roller ist zum Glück nichts passiert. Nach dem ich also zum sechsten Mal die Feder neu gespannt habe und sich immer noch nichts getan hat war ich mit den Nerven schon ziemlich am Ende. Am allermeisten jedoch hat mich einer der Marktverkäufer aufgeregt. Ich weis nicht genau was er verkauft hat, nur dass es einen Euro kostet. Er schrie alle 20 Sekunden „Blablablablabla un Euro, un Euro!“. Aber wie er es schrie… die Lautstärke war nicht das Problem, eher die Ton- und Stimmlage. Schwer zu beschreiben. Es hörte sich so an als könne er einfach nicht fassen, dass die Leute sein Produkt nicht kaufen, obwohl es nur einen Euro kostet. Dieser vorwurfsvolle Tonfall…“Un Euro, un Euro“ Ja, vorwurfsvoll beschreibts wohl am besten. Als würde es seine arme Seele nicht verkraften, dass er gezwungen ist nur einen lächerlichen Euro dafür zu nehmen und es tatsächlich Leute gibt dies trotzdem nicht kaufen… „Un Euro, un Euro“ Immer wieder und immer wieder. Als würde er die Welt nicht mehr verstehen. „Un Euro, un Euro“ UND ICH KÄMPF HIER UM DAS LEBEN MEINES ROLLERS!!! Viel hat nicht mehr gefehlt und ich wär zu ihm hin, hätt ihm 10 Euro hingeknallt und um 10 Minuten Ruhe gebeten.

Ich war wirklich kurz vorm Aufgeben. Dachte schon das wars jetzt hier für den Roller. Hier werden sich unsere Wege trennen. Hab schon mit dem Gedanken gespielt den ADAC anzurufen, bin ja in ganz Europa abgesichert. Aber einmal wollt ichs noch versuchen, ein letztes Mal. Dann kam mir irgendwie die Erleuchtung, dass ja das Taschenmesser das mir mein Bruder zu Weihnachten geschenkt hat ein Zange hat. Keine Ahnung warum ich da nicht früher drauf gekommen bin. Also das Taschenmesser im Rucksack gesucht, natürlich mit pechschwarzen und verdreckten Händen, und mit der Zange den Klemmring enger gemacht. Und siehe da, es funktioniert wieder tadellos, die Feder springt nicht mehr raus.
Dann hab ich es tatsächlich irgendwann nach über einer Stunde geschafft den Roller zum laufen zu bringen. Das Gefühl war überwältigend, ich versuch gar nicht erst es zu beschreiben. Also rauf auf den Roller und ab zur Grenze gefahren. Da aber ne sehr lange Schlange von Autos und Rollern an der Grenze standen, beschloss ich den Roller in Spanien abzustellen und zu Fuß rüber zu gehen. Bin dann noch schnell zu Mc Donalds zum Händewaschen (und frühstücken).
Zu Fuß war ich dann auch schnell über die Grenze. Nur am Flugfeld musste ich warten, es startete gerade ein Flieger.
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Konnte auch ein interessantes Wetterphänomen beobachten, Gibraltar hat nämlich teilweise ein eigenes Mikroklima. Wenn der Ostwind auf den Felsen trifft bilden sich Wolken die Gibraltar dann einhüllen. Überall sonst war keine Wolke zu sehen, nur hier in Gibraltar wars bewölkt.
Als das Flugfeld dann wieder frei war ist was passiert von dem ich fast sicher bin, dass ich der erste Mensch bin dem so etwas passiert ist: Ich wurde nämlich auf einer Startbahn von der noch vor 2 Minuten ein Flieger abhob von zwei Gibraltarern eingeladen den National Day mit ihnen zu feiern und bei ihnen zu schlafen. Das ganze Gespräch verlief in etwa so:

„Hey Mate, welcome to Gibraltar. You chose the perfect day to visit, it’s National Day“
„Thanks. Do you guys live here?“
„Born and raised. But my girlfriend here is from Kissling, that’s near Munich in Germany.“
„Cool, I’m from Munich,too“
„Do you have a reservation for the Hostel in Gibraltar?“
„Not yet.“
„Yeah, they will be full today because of the National Day. But you can sleep at our place if you like“
„Yes, I’d love that. Thanks“
Also sind wir zu Jules‘ und Jasmins Wohnung gegangen, wobei ich es etwas schwerer hatte durch die Menschenmassen mit meinem Rucksack zu kommen.
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Alles war schön in Weiß und Rot, den Nationalfarben Gibraltars.
Die Wohnung war eigentlich nur ein Studio, aber zum Schlafen reichts. Also die Isomatte aufgeblasen und Rucksack abgestellt. Dann gab’s erst mal Wein und Bier und gegen 15 Uhr sind wir in die Stadt gegangen. War eine sehr schöne Atmosphere die ganze Stadt war am Feiern, alle Altersstufen und alle sozialen Schichten. Wir sind im Prinzip von Bar zu Bar gezogen. Da mein Gastgeber Jules scheinbar alle Leute hier kennt, sind wir auch zu einer Bootparty eingeladen worden. Ich hab schon mit allem gerechnet, ne fette Yacht wo nur Champagner getrunken wird zum Beispiel. Hat sich dann aber herausgestellt, dass seine Freunde etwas übertrieben haben, es war mehr eine Party am Pier und wir sind dann auch bald darauf wieder in die Stadt zurück gegangen.
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Als nächstes sind wir in einen Open Air Club „Rock on the Rock“. War sehr gute Livemusik, nur Abends wurde dann mehr Elekto gespielt.
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Anschließend sind wir nochmal auf den Hauptplatz gegangen und haben uns da die Bands angehört.
Auch alle sehr gut. Jules und Jasmin sind dann gegen 23 Uhr heimgegangen weil sie morgen arbeiten mussten. Sie haben aber Evan, der auch bei ihnen pennt und mir den Schlüssel dagelassen, da wir noch etwas bleiben wollten. wpid-20130910_235424.jpg

Dann gabs nochmal nen Gänsehautmoment: Als beim Cover von Zombie der Sänger ein paar Worte zur britischen Haltung im Syrienkonflikt gesprochen hat und der ganze Platz dann skandiert hat „No more war! No more war!“

Gegen 1 Uhr sind Evan und ich dann auch nachhause.
Eigentlich erstaunlich wie sich der Tag entwickelt hat, wo ich doch nur ein paar Postkarten einwerfen wollte. Da zeigt sich mal wieder, dass es stimmt: Auf Reisen ist keinen Plan zu haben der beste Plan.

Upper Rock National Park

Heute wars mal wieder an der Zeit die Wanderstiefel aus zu packen. Hab alles nötige in meinen kleinen Rucksack gepackt und bin dann gegen 10 Uhr los. Ging wieder über die Grenze,  diesmal ohne Wartezeit am Flugplatz. Im Gibraltar hab ich mich dann in den Bus gesetzt der mich für 1,5 € zum Europa Point gefahren hat, was der südlichste Punkt Gibraltars ist.

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Leuchtturm am Europa Point

Es war ziemlich heiß, aber ich bin inzwischen einiges gewohnt. Ich wollte dann einmal das ganze Land von Süd nach Nord durchqueren. Dabei noch den National Park, was praktisch der ganze Felsen ist, mitnehmen und gleichzeitig den höchsten Punkt des Landes erreichen. So ging’s erstmal immer bergauf bis ich den Eingang zum National Park erreichte. Dann waren 13 € fällig (Man kommt hier ganz gut mit Euro durch). Und weiter bergauf. Hab dann eine Route eingeschlagen (Mediterran Steps) die mich bis hoch zum Gipfel auf etwas über 400 Meter bringen sollte. War vom Gelände her auch schon etwas anspruchsvoller und ich war froh um meine Wanderstiefel und konnte nur den Kopf schütteln über ein paar Leute die scheinbar meinten Flip-Flops wären genau so gut geeignet.

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Blick auf die Südspitze

Dummerweise hat der Weg der mich zum Gipfel führen sollte aber plötzlich an einem zugemauerten Tunnel geendet. Das hat der nette Parkranger wohl vergessen mir mitzuteilen. Also umkehren und nen neuen Weg suchen, am besten immer bergauf. Aber davor gab’s nochmal nen schönen Blick auf die Ostseite des Felsens:

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Also ging’s zurück zum Parkeingang und dann eben auf nem anderen Weg nach oben. Irgendwann sind mir dann auch die berühmten Berberaffen begegnet die hier frei leben.

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Dann lag auch noch ne Tropfsteinhöhle auf meinem Weg, da bin ich natürlich rein. Sehr eindrucksvoll.

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Als ich hier per Selbstauslöser ein Foto von mir machen wollte bin ich wohl etwas zu hecktisch ins Bild gestürmt, denn mir ist dabei meine Sonnenbrille vom Kopf gefallen und dann am Boden zerbrochen. Äußerst ärgerlich. Aber nicht zu ändern. Nach der Tropfsteinhöhle gings weiter den Berg hoch, bis ich zu ner alten Geschützstellung kam. Überhaupt ist der ganze Berg voller Tunnel,  Bunker und Kanonen. Nur hier war keine Kanone mehr, die hat man während des Zweiten Weltkriegs gegen ein Flugabwehrgeschütz ausgetauscht und dieses nach dem Krieg auch entfernt.

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Man sieht schon, hier würde der Weg eigentlich enden. Wenn man allerdings auf die Mauern klettert und die Anlage hinter sich lässt kommt man noch etwas weiter und hat den wie ich finde besten Platz Gibraltars gefunden. Gute 400 Meter überm Meer, noch recht südlich mit einem 270º Blick auf die Straße von Gibraltar. Da herrscht echt Hochbetrieb, Schiffe ohne Ende. Und man sieht natürlich Afrika. Wirklich traumhaft. Hier hab ich dann ein paar Postkarten geschrieben und bin einfach nur dagesessen und hab die Aussicht genossen.

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Schiffe die zum tanken in die Bucht von Gibraltar einlaufen

Dann ging’s weiter Richtung Norden. Es gab noch mehr Affen

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Und noch mehr Kanonen

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Irgendwann, etwa 5 Stunden nachdem ich den Europa Point verlassen hab, hab ich dann das nördliche Ende des Felsen erreicht. Von da gab’s eine tolle Aussicht auf den Flughafen und die dahinter liegende Stadt La Linea de la Conception. Eine Aussicht der sich auch die Tierwelt nicht entziehen kann:

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Hier am nördlichen Ende war dann auch das Tunnelsystem zu besichtigen das während der 3-jährigen Belagerung Gibraltars 1778 zur Verteidigung errichtet und mit Kanonen versehen wurde.

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Danach ging’s bergab Richtung Innenstadt. Davor war noch eine alte maurische Burg zu besichtigen.

Unten in der Stadt angekommen wars dann Zeit für eine Stärkung.  Und was liegt da näher als DER Klassiker der britischen Küche: Fish&Chips

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Da der Tag doch ganz schön anstrengend war wollt ich bald ins Bett gehen. Allerdings gab’s bei der Einreise nach Spanien etwas Verzögerung, da hat sich ne lange Schlange an der Passkontrolle gebildet, aber auch das ist ja typisch britisch: immer schön in einer Reihe anstellen und warten.

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Einreise nach Spanien

Irgendwann war dann auch das geschafft und ich bin nach einer unglaublich gut tuenden Dusche ins Bett.

Gibraltar

Heute wollte ich bis nach Gibraltar kommen. Ich bin immer an der Küste entlang gefahren,  dabei musste ich ein gutes Stück auf Autobahnen zurück legen weil einfach keine anderen Straßen da waren. Aber der Roller hatte heute wohl nen guten Tag und ist fast konstant seine 60 Sachen gefahren. Zwischendurch sind nur die Schleifgeräusche an der Vorderbremse etwas lauter geworden, aber das hat sich bald gelegt. Die Strecke war nur 120 Kilometer lang und durch den großen Autobahnanteil hab ich auch ne Durchschnittsgeschwindigkeit von guten 40 km/h geschafft. Was mich auch angenehm überraschte war, dass ich nen Lidl gefunden hab der am heutigen Sonntag auf hatte. So konnte ich n paar Sachen für ne Brotzeit einkaufen. Hab dann einfach nen Strand der links der Strecke lag angesteuert und da ne Pause gemacht.
Irgendwann war The Rock dann plötzlich  zu sehen:

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Gegen 15 Uhr bin ich dann auch am heutigen Tagesziel angekommen: La Linea de la Conception. Die letzte Stadt Spaniens direkt an der Grenze zu Gibraltar. Warum ich nicht in Gibraltar übernachtet hab? Da wärs doppelt so teuer gewesen. So hab ich ein Einzelzimmer für 13,5 € die Nacht gekriegt. Nachdem ich also mein Zeug ins Zimmer geschafft hab wollt ich natürlich nach Gibraltar laufen, mit dem eigentlichen Ziel den Fährhafen zu finden und die Abfahrtszeiten der Fähren nach Marokko rauszukriegen, denn das Internet hielt sich diesbezüglich sehr bedeckt. Von meiner Unterkunft warens auch nur 10 Minuten bis zur Grenze. Bei den Autos gab’s etwas Stau, aber als Fußgänger wars sehr unbürokratisch, zwei mal den Ausweis vorgezeigt und schon hieß es

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Und plötzlich war alles sehr britisch. Rote Telefonzellen,  Doppeldecker-Busse und Polizisten in lustigen Uniformen.

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Um dann wirklich in die Stadt zu kommen muss man erst noch den Flughafen bzw. die Start- und Landebahn überqueren. Ich hatte dann natürlich auch gleich das Glück, dass die Ampel rot war und musste etwa 5 Minuten warten bis ein Flieger gelandet war.

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Fußgänger haben schon rot, Autos dürfen noch fahren

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Landeanflug

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Gelandet

Da das Rollfeld auch von der Royal Airforce genutzt wird stehen hier natürlich auch ein paar Kampfjets rum

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Mitten auf dem Runway, Blick nach Westen

Dann ging’s rein in die Stadt. Auffällig: man ist hier sehr stolz britisch zu sein

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Wie gesagt, viel wollt ich heute eigentlich nicht machen, nur mal schauen wo die Fähren ablegen, damit ich morgen oder übermorgen keine Zeit mit suchen verbringen muss. Aber das stelle sich dann trotz Stadtplan als schwierig heraus. Alles in allem bin ich im Hafen sicher ne Stunde umher gelaufen hab aber nicht wirklich das gefunden was ich gesucht habe. Irgendwann hab ichs dann aber doch gefunden und musste feststellen, dass das Gebäude eigentlich nur eine heruntergekommene Ruine ist. Da ist mit Sicherheit schon seit Jahren kein Schiff mehr abgelegt. Wollte dann ich Hostel nochmal genauer im Internet nachschauen ob aktuell noch Fähren zwischen Gibraltar und Marokko verkehren. Also hab ich mich wieder auf den Weg zurück nach Spanien gemacht. Aber vorher hab ich noch in Gibraltar eingekauft, der Supermarkt gleich hinter der Grenze hat nämlich auch sonntags bis um 20 Uhr auf. Mein Abendessen mit Speck und Bohnen in Tomatensauce war also gesichert. Zahlen konnte ich auch in Euro, das Wechselgeld gab’s dann allerdings in Pfund zurück. War aber vermutlich nicht der beste Wechselkurs.
Auf dem Weg zurück zum Hostel gab’s dann in Spanien nochmal ein deutsches Schmankerl, das aber leider schon zu hatte

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In meinem Zimmer hab ich dann noch naja, keinen richtigen Sonnenuntergang, aber immerhin ein sehr schönes Abendrot gesehen:

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Und ich hab nochmal genauer nachgeschaut: es fährt tatsächlich keine Fähre mehr ab Gibraltar, schon seit Jahren nicht mehr. Also Planänderung: ich muss weiter nach Tarifa und von da aus geht dann eine Fähre nach Tanger in Marokko.

Bye bye Deutschland

Heute ist es also soweit. Meine vorerst letzte Ausreise aus Deutschland. Der Flieger ging um 9:40 aber da der Bus zum Flughafen so blöde Abfahrtszeiten hat bin ich schon um 8 Uhr da gewesen. So hatte ich noch etwas Zeit die vergangenen 48 Stunden revue passieren zu lassen.
Wie war also Deutschland jetzt im Vergleich zu den anderen Ländern? Nun zuerste einmal: Ich darf hier in der Öffentlichkeit ein Bier trinken ohne damit gegen ein Gesetz zu verstoßen. Was ich allerdings schon vergessen habe: Dosenpfand. Musste die leere Dose doch tatsächlich zurück zum Geschäft bringen anstatt sie einfach weg zu werfen, sind ja immerhin 25 Cent. Die Schattenseiten des Alkohol in der Öffentlichkeit trinkens sind mir allerdings auch deutlich aufgefallen. Als ich beispielsweise durch die Bochumer Innenstadt gelaufen bin sind mir sicher 10 sturzbesoffene Typen begegnet und das am Nachmittag. Sowas gab’s in Frankreich oder Spanien nicht. Und dann natürlich, da bin ich tatsächlich nicht drum rumgekommen, es ist ja Wahlkampf. Von jedem Baum/Pfosten/Lampe und übergroßen Plakatwänden grinsen einem die Pappnasen dümmlich entgegen. Das ganze natürlich noch garniert mit irgendeinem hohlen Spruch der einen entweder fragen lässt:“Ja is denn heut scho Weihnachten?“oder „Ja ne, is klar“. Auf das Geschmarre hätt ich echt verzichten können. Allgemein war ich doch irgendwie froh wieder aus Deutschland raus zu kommen. Ich hatte nicht für eine Sekunde daran gedacht hier zu bleiben. Es fühlte sich irgendwie so an als wäre das einfach nicht der Ort wo ich jetzt sein sollte.
Naja, irgendwann ist dann auch mein Flieger gestartet, das Einchecken war diesmal weniger chaotisch und wir sind pünktlich abgeflogen. Durch die vielen Wolken die zur Zeit über Europa hängen war der Flug speziell bei Start und Landung reichlich turbulent. Wir sind auch scheinbar ne seltsame Route geflogen, denn zwei Städte hab ich von ober erkannt: Paris und Madrid.

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Über den Wolken...

In Malaga gelandet ging’s per Zug in die Innenstadt und dann zu Fuß erst mal zum Roller, der glücklicherweise noch da war. Den hab ich dann gleich repariert, hat keine 5 Minuten gedauert. Dann ging’s zum Hostel. Da sind mir dann tatsächlich Jan und Charlotte übern Weg gelaufen, die hab ich vor ner Woche das letzte mal hier gesehen. Jan war in der Zwischenzeit an der Küste entlang gereist und Charlotte hat ne Wohnung gefunden um hier ein Semester lang zu studieren. Wir sind dann was essen gegangen und Jan hat sich bald verabschieden müssen, weil sein Flug nach Bremen am Abend ging. Ich hab mich mit Charlotte verabredet um abends noch auf den Berg in Malaga hoch zu steigen und das Castillo de Gibralfaro, also die alte Burg die über der Stadt trohnt, zu besichtigen. War teilweise ganz schön steil da hoch. Aber man hatte ne super Aussicht auf die Stadt, wenns auch etwas bewölkt war.

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Malaga von oben

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Im Castillo de Gibralfaro

Ach ja, was noch erwähnenswert ist: Heute war scheinbar DER Tag um in Malaga zu heiraten. Ich hab sicher 10 Hochzeitsgesellschaften gesehen, ob aus der Kirche raus oder wie hier beim Fotoshooting.

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Danach hab ich nicht mehr viel gemacht, bin recht früh ins Bett weil ich morgen bis nach Gibraltar runter fahren wollte.

Das geht unter die Haut

Heute gabs erst mal ein ausgiebiges Frühstück im Hotel. Da ich seit langem kein all you can eat Frühstück mehr hatte hab ich natürlich ordentlich zugelangt. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich mich vielleicht etwas überfressen habe.
Danach ging’s erst mal zur ADAC Filiale in Bochum, der eigentliche Grund warum ich nach Deutschland zurück musste. Dort hab ich dann meine Langzeitauslandskrankenversicherung für 12 Monate ab morgen abgeschlossen. Denn meine bisherige Versicherung in Deutschland deckt nur die EU ab. Und die ADAC Versicherung muss man vor Ausreise aus Deutschland abschließen, deshalb mein kurzer Stop in Deutschland. Aber jetzt hab ich das erledigt und damit eine Sorge weniger.
Meine Eltern haben mich dann noch schnell zum deutschen Bergbau Museum gefahren und sind dann selbst weiter nach Bremen.

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Ziemlich gut gemacht, gibt sogar ein Schaubergwerk in das man per Aufzug (oder  Seilfahrt wie der Bergmann sagt) runter kommt. Allerdings hat man schon gemerkt, dass die Bergbauindustrie einer der Hauptfinanzierer des Museums ist. Es gab praktisch keine kritische Auseinandersetzung mit der Gewinnung und dem Verbrauch der Kohle/Erze und deren Auswirkungen auf die Umwelt. Aber sonst ganz gut, hab gute 3 Stunden da verbracht.

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Blick vom Seilturm auf Bochum - immer noch grün

Anschließend bin ich zum Hauptbahnhof gelaufen, denn dort in der Nähe machte gerade eine Ausstellung Station die ich schon lange mal sehen wollte:

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Absolut klasse, wenn auch nichts für zart besaitete, schließlich sind die Exponate vor ein paar Jahren noch durch die Gegend gelaufen. Der Preis war mit 15 € zwar recht hoch, aber nicht ungerechtfertigt. Tip: Beim Besuch unbedingt den Audioguide ausleihen, der gibt nochmal extra Infos.
Die Ausstellung stand unter dem Motto „Der Zyklus des Lebens“ und das war nicht untertrieben. Ziemlich alle Lebensstationen des Menschen wurden gezeigt, vom absoluten Anfang bis ins hohe Alter. Man kriegt schön zu sehen wie sich der Mensch entwickelt und ich muss echt sagen das hat die Natur schon ganz gut hingekriegt.
Neben dieser Sonderausstellung gab’s auch noch die klassichen Exponate die einem die Anatomie des Menschen näher bringen, ob Skelett, Muskeln, Nerven, Blutbahnen oder einzelne Organe. Nen Großteil der Infos wusste ich zwar noch aus Schule/Uni aber manches war auch für mich neu. Eindrucksvoll waren auch die Gegenüberstellungen von kranken und gesunden Organen. Hier sind speziell die Raucherlunge (überhaupt waren gut 80% aller „Körperspender“ scheinbar starke Raucher) und die Säuferleber zu erwähnen.
Die ganze Ausstellung regt schon ziemlich zum nachdenken an. Die Vergänglichkeit des Lebens wird einem genau so vor Augen geführt wie schiere Unglaublichkeit, dass sich eine so perfekte „Maschine“ wie der Mensch in Jahrmillionen durch Evolution entwickelt hat.
Gute 3 Stunden hab ich auch hier verbracht.  Währenddessen hat’s wohl mal kurz geregnet, aber als ich raus bin war wieder bestes Wetter bei 30 Grad. Dann bin ich wieder zum Hauptbahnhof und bin dann nach Dortmund gefahren. Da war dann auch meine Unerkunft für diese Nacht, ein Hostel gleich am Bahnhof. Nach dem Einchecken bin ich dann noch etwas durch die Fußgängerzone gelaufen aber recht bald ins Bett, da ich ja morgen früh zurück nach Malaga fliege.

Starlight Express

Nach wenig Schlaf bin ich um 4:30 aus dem Hostel raus und zu meinem Roller mit dem ich auch zum Flughafen fahren wollte. Es kam natürlich wie es kommen musste: beim ankicken ist mal wieder die Gegendruckfehder rausgesprungen. Ich kenn das Problem ja inzwischen schon ganz gut und kanns eigentlich auch schnell reparieren. Allerdings wars hier doch noch recht dunkel und ich hätte danach komplett schwarze Hände gehabt. Außerdem war ich schon etwas spät dran, wenn also die Reparatur nicht hingehauen hätte oder danach noch ein anderes Problem aufgetaucht wäre, wär’s eng geworden. Da ist guter Rat natürlich teuer. Metro und Busse fahren um diese Uhrzeit nicht und 10 Kilometer in einer Stunde laufen, darauf hatte ich auch nicht wirklich Lust. Aber kaum bin ich um die Ecke gelaufen hab ich auch schon ein Taxi stehen sehen, auch noch frei. Also rein und ab zum Flughafen. Hat 25 € gekostet, aber das waren dann letztendlich auch nur 10 Euro mehr als es mich gekostet hätte den Roller am Flughafen zu parken.
Am Flughafen war noch wenig los und so ging’s rasch durch die Sicherheitskontrolle. Das Boarding war allerdings chaotisch, erst hat das Gate gewechselt und dann hats ewig gedauert bis endlich alle im Flieger waren. Und bis dann jeder nen Platz hatte… Wir sind dann auch erst mit 30 Minuten Verspätung abgehoben. Der Flug selbst war dann in Ordnung. Ich kam mir nur n bisschen wie auf einer Kaffeefahrt vor, die Crew hat wirklich versucht den Passagieren alles mögliche während des Fluges zu verkaufen, von Handtaschen, Kosmetikartikel, Zigaretten und Schnaps bis hin zu Rubbellosen. Aber Ryanair ist ja dafür bekannt sehr kreativ zu sein wenn es darum geht den Kunden noch ein paar extra Euros aus der Tasche zu ziehen. Nach 3 Stunden Flug sind wir dann in Dortmund gelandet und, man ahnt es bereits, meine Eltern liesen es sich nicht nehmen mich abzuholen. Die mussten morgen sowieso nach Bremen, da hats auch irgendwie ganz gut gepasst. Wir sind dann erst mal frühstücken gegangen um den Plan für den Tag zu besprechen. Wirklich viel ist dabei aber nicht rausgekommen. Wir sind dann zum Phoenix See gefahren, ein künstlich angelegter See auf einem ehemaligen Stalwerksgelände.

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Der Phoenix-See

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An und für sich ganz schön, man hat wirklich nicht sehen können, dass hier mal ein riesiges Stahlwerk stand. Nur ein Thomas-Konverter, ein riesiger Kessel in dem Roheisen zu Stahl veredelt wurde, erinnert noch daran.

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Da es doch recht warm war und es ja inzwischen auch Mittag war, haben wir es wie die Spanier gemacht und uns in einer Strandbar in Liegestühle gesetzt und mit ein paar kühlen Getränken etwas Zeit rumgebracht.

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Anschließend sind wir nach Bochum gefahren, ins Hotel eingecheckt und dann noch etwas spazieren gegangen. Gleich vor unserem Hotel war der Stadtpark, in den sind wir erst mal rein. Dort stand auch ein Bismarck-Turm der natürlich bestiegen werden musste.

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Und von da oben wurde eins sofort klar: Bochum ist grün. So hätt ich mir keine Stadt im Ruhrpott vorgestellt. Kam mir fast so vor wie ein Wald in den man ein paar Häuser gestellt hat.

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Danach ging’s weiter in die Innenstadt. Dort han ich dann mal wieder eine Pizza gegessen, ausgezeichnet und überhaupt die erste Pizza die ich auf meiner Reise gegessen hab.
Dann wurds auch schon Abend und wir sind zum

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Theater gegangen um uns das Musical anzusehen.

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War so ganz gut, tolle Kostüme, klasse Bühne, gute Lichteffekte und mitreißende Akrobatik, nur der Sound war teilweise sehr schlecht zu verstehen.

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Die Bühne

Danach ging’s zurück zum Hotel und dann ab ins Bett.

Rückkehr nach Malaga

Heute hieß es Abschied nehmen von Cartajima. Ich musste zurück nach Malaga, da morgen von dort mein Flug nach Dortmund geht. Hier noch ein paar Bilder vom El Refugio in Cartajima

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Schlafsaal

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Außenansicht

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Botz und ich

Mit den üblichen kleinen Rollerproblemchen ging’s dann wieder zurück nach Malaga.

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Sierra de las Nieves

Bin um etwa 4 da angekommen und hab dann erst mal was zu essen eingekauft. Als ich meinen Roller dann abgestellt hab (diesmal auf einem offiziellen Rollerparkplatz) hab ich festgestellt, dass ich scheinbar nicht der einzige bin der verrückt genug ist um mit nem Roller nach Spanien zu fahren. Allerdings sieht dieser Würzburger etwas zuverlässiger und nach mehr Power aus.

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Anschließend ging’s ins Oasis Hostel, ich hab mir was zu essen gekocht und schon mal mein Gepäck sortiert. Ich flieg nämlich mit Ryanair und da kostet Gepäck extra (und zwar nicht zu knapp) deshalb hab ich nur das Nötigste in meinen kleinen Rucksack der als Handgepäck durchgeht gepackt und hab den Rest im großen Rucksack im Gepäckraum des Hostels einsperren lassen. Da ich morgen um 4 Uhr in der Früh aufstehen muss, hab ich mich um 22 Uhr schlafen gelegt, was im 10er Schlafsaal um diese Uhrzeit ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Zurück nach Cartajima

Das Buch hab ich fertig gelesen und so bin ich am Vormittag wieder in Richtung Cartajiman gelaufen. War ganz schön steil der Weg der aus diesem Tal wieder nach oben führte.

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Mein Wasservorrat ging langsam zu neige, aber ich hab unterwegs nen Quellbrunnen gefunden. In Juzcar, dem Schlumpfdorf hab ich dann in einer Bar den Mittag vorüber ziehen lassen und mich mit einer eiskalten Cola und ein paar Tapas gestärkt.

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Papa Schlumpf

Ziemlich ausgehungert bin ich dann nachmittags im Hostel in Cartajima angekommen.

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Die letzten 2 Kilometer bis zum Ziel

Hab echt Glück gehabt, denn wäre ich nur ne halbe Stunde später angekommen, wäre Botz nach Ronda zum einkaufen gefahren und ich hätte ein paar Stunden vor verschlossener Türe warten müssen. Aber so hat alles gepasst, ich konnte erst mal ausgiebig duschen und mir die Zeit bis zum Abendessen in der ich allein war mit Organisatorischem am Computer vertreiben. Abends gab’s dann nochmal ne schöne Hähnchenkäule, so wie am ersten Abend. Ich war heute wieder der einzige Gast, aber Botz hat mir erzählt, dass ich an den beiden Tagen an denen ich unterwegs war zwei nette Australierinnen verpasst hab.
Den Abend haben wir dann so ziemlich ausschließlich mit Musik und Musikvideos verbracht, hauptsächlich 60er und 70er Jahre Rock, Jazz und Blues. Botz war früher selber mal Drummer in London und hatte echt zu fast jeder Band ne witzige Anekdote parat.

Mal wieder zu Fuß unterwegs

Heute bin ich nach dem Frühstück dann mit dem Nötigsten im Rucksack zur Wanderung aufgebrochen. Den Rest konnt ich im Hostel lassen. Da ich Vormittags los bin, war die Temperatur noch recht angenehm, erst gegen Nachmittag wurde es wärmer, aber auf meiner Wanderung entlang der Donau hatte ich heißer Tage.
Das erste Teilstück führte mich aus dem Dorf hinaus und ganz runter ins Tal.

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Letzter Blick zurück

War teilweise echt steil und der Weg war größtenteils geschottert.

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Abwärts...

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Unter angekommen war ich dann doch ganz froh, dass es hier so trocken ist, sonst hätte ich mir bei der Überquerung dieses Flusses nasse Füße geholt.

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Ausgetrocknetes Flussbett

Auf der anderen Seite gings dann wieder hoch. Etwas nervig waren die vielen kleinen Fliegen die sich immer im Schatten der Bäume aufhielten und dann ewig um einen rum kreisten. Wenigstens haben sie nicht gestochen.
Nächstes Highlight war dann ein Dorf von dem ich zwar mal gehört habe aber nicht wusste, dass es sich hier befindet. Normalerweise sind die Häuser in den Dörfern hier in Andalusien ja alle schön weiß. Aber hier hat man, ich glaube es war als Werbegag für den ersten Die Schlümpfe Film gedacht, das ganze Dorf in Schlumpfblau angestrichen. Sieht in der Landschaft schon recht witzig aus.

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Ortsschild

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Ortseingang von den Bergen her kommend

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Hauswand

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Gesamtansicht von etwas weiter weg

Dann gings weiter, erst ein kurzes Stück an der Straße entlang

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Und dann wieder abseits ins nächste Tal.

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Da geht's runter

Irgendwann nachmittags hab ich dann das Tal erreicht in dem auch noch ein kleiner Bach fließt. An einer Stelle wurde er aufgestaut,  so dass man auch drin schwimmen konnte. Hier hab ich dann mein Zelt aufgeschlagen.

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Brücke die den Bach aufstaut

Den Rest des Tages hab ich dann mit lesen (Steven King) verbracht.