Zurück in die Zivilisation

Ich hab ausgezeichnet geschlafen. Mein Zelt war auch so gestanden, dass es früh morgens nicht gleich Sonne abbekommen hat sondern erst gegen halb neun. Das Wetter war klasse, praktisch keine Wolke am Himmel.
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Nachdem ich gestern gelaufen bin wollt ich heute mal mit dem Rad etwas weiter rum fahren. Ein Rad für einen Tag kann man hier am Pier überall für 8S$ mieten. So viel Geld hatte ich gerade noch. Für nen Helm, 2S$ extra, hats nicht mehr gereicht.
War ne ganz schöne Umstellung nach so langer Zeit wieder mal auf nem Rad zu sitzen. Das letzte mal dürfte in Washington DC gewesen sein, also vor etwa fünfeinhalb Monaten. Aber es ging noch. Doch ganz angenehm mal mit etwas mehr Geschwindigkeit als beim Laufen vorwärts zu kommen.
So bin ich also über die kleine Insel gefahren, mein erstes Ziel war der Mountainbike Trail.
Den gab’s in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, mit dem Rad in nicht ganz in einwandfreiem Zustand, ohne Schutzausrüstung und nur mit Flip Flops hab ich die schwierigeren Trails aber gar nicht erst probiert sondern bin bei den einfachen Strecken geblieben. War aber auch spaßig und teilweise recht fordernd. Wenn man hier ein richtiges Mountainbike hat kann man in dem Park sicher ne Menge Spaß haben.
Nachdem ich ne ganze Weile so über Stock und Stein gebrettet bin war es mal Zeit für ne Pause. Das Meer ist zum Glück nie weit entfernt und so hab ich im Schatten eines Baums ne kleine Rast gemacht. Es war inzwischen auch wahnsinnig heiß, der ohne den Schatten der Bäume hätte man das hier nicht lange ausgehalten. Ist schon brutal wie die Sonne hier am Äquator runter brennt.

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Pause


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Nach ausreichend Pause ging es weiter zu den Chek Jawa Wetlands am anderen Ende der Insel. Die Hauptwege hier sind eigentlich alle geteert und nur die Nebenstrecken sind Schotterpisten, so dass man recht flott von A nach B kommt. Kamm da unter anderem an einer Baustelle vorbei, an der laut Schild an einem „Einstöckigen Berlin Heiligtum“ gebaut wurde.
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Berlin Heiligtum


Das hat mich neugierig genug gemacht um abzusteigen und mal über den Zaun zu schaun. Außer einem Beton Fundament war da aber nichts zu sehen.
Bevor ich die Wetlands erreicht hab, bin ich noch nen kleinen Umweg zum Mamam Campground gefahren um mir den mal anzusehen. Der war zwar schön am Meer, aber mit Strand und Baden war da auch nichts. Dafür konnte man Malaysia sehen.
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Am Mamam Campground


Die letzten 3 Kilometer ging es über Schotter und ein paar moderate Berge hoch. An sich ist die Insel aber recht flach, der höchste Berg bringt es gerade mal auf 70 Meter. Von manche Punkten hat man aber doch nen ganz schönen Ausblick auf die ehemaligen Steinbrüche die heute alle mit Wasser zugelaufen sind.
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Dann kam ich bei den Wetlands an, hier musste das Fahrrad stehen bleiben und es ging zu Fuß weiter. Allerdings hatte ich die Zeit wirklich ungünstig getroffen. Ich war genau zum höchsten Stand der Flut da, da ist von den Wetlands, vergleichbar mit dem Wattenmeer, natürlich nix zu sehen. Unter dem Boardwalk der hier angelegt wurde war nur Wasser und von oben brannte die Sonne erbarmungslos herab, deshalb hab ich mich da nicht all zu lange aufgehalten.
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Ich hab mich dann langsam wieder auf den Rückweg gemacht. Kam noch vorbei an einem alten muslimischen Friedhof und ein paar raufenden Affen ehe ich wieder bei meinem Zelt war.
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Muslimische Grabsteine


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Radlweg zwischen Sümpfen und Mangroven


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Hütte in einem kleinen Dorf


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Wie Singapur in den 60ern


Als ich wieder am Zelt war hab ich zusammen gepackt und mich zurück zum Pier begeben. Da noch schnell das rad abgegeben und am Pier dann ne viertel Stunde gewartet bis sich 12 Leute eingefunden haben damit das Bumboot voll ist und wir übersetzen konnten.
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Good Bye Pulau Ubin


Auch noch ganz witzig: als wir alle beim einsteigen waren stellte sich heraus, dass wir gar 13 Leute waren. Obwohl da noch locker (Sitz-)Platz für 10 weitere gewesen wäre, der Capitan wollte den letzten nicht an Bord lassen. Absolut faszinierend wie Singapurer sich scheinbar nicht die kleinste Übertretung einer Vorschrift oder eines Gesetzes erlauben. Ich Thailand, Malaysia oder vor allem der Karibik hätten die auf dem Boot zur Not auch Leute auf dem Dach mitfahren lassen. Tja, Singapur ist echt anders als der Rest von Südostasien.
Wieder auf Singapur angekommen hab ich mir nen Bus geschnappt der mich zurück zu Toa Payoh brachte. Dort hab ich erst mal Geld gewechselt, denn ich hatte tatsächlich nur noch wenige Cent. Während ich mir noch schnell ein Chicken Rice bestellt und gegessen hab, hat mich ein älterer Herr mit Turban angesprochen wo ich denn herkomme, denn ich war mit vollem Rucksack unterwegs. Wir haben uns ein bisschen unterhalten und es stellte sich heraus, dass er früher auch sehr viel gereist ist, unter anderem war er in Baden-Baden und zwei Monate in der Schweiz und konnte deshalb einige Sätze deutsch. Eigentlich ne echt reife Leistung nach so langer Zeit.
Danach bin ich zurück zu Heiners Wohnung, den Schlüssel hatte ich noch. Da war dann erst mal ne ausgiebige Dusche angesagt.

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