Die Frage nach dem „Was mach ich heute bloß?“ hat sich schon sehr früh am Vormittag selbst beantwortet. Das Haus konnt ich schon mal nicht verlassen, denn es regnete. Aber eben kein normaler Regen wie man ihn aus Deutschland kennt, sondern richtiger, tropischer Regen. Ohne zu übertreiben, aber da kam mehr Wasser pro Fläche runter als unsere Dusche hier schafft. Noch dazu kam, dass Kerens Wohnung im ersten Stock liegt und damit das Dach genau über ihr hat. Und wie bei so gut wie allen Dächer hier in der Karibik sind das keine Ziegel die da auf dem Dach liegen sondern Wellblechplatten. Auf großartige Isolierung unterm Dach verzichtet man hier auch meistens, ist ja eh immer warm. Diese zwei Tatsachen ergeben dann natürlich gepaart mit dem Regen eine schier unvorstellbare Geräuschkulisse. Es war zu laut um fern zu sehen, es war zu laut um zu lesen und definitiv zu laut um zu schlafen. Ich bin dann die meiste Zeit des Tages nur rumgelegen und hab in den weniger starken Regenphasen versucht ein bisschen zu bloggen. Ansonsten Ohrstöpsel rein und Musik hören.
Abends hat der Regen dann nachgelassen und irgendwann aufgehört. Überraschenderweise hat es so gut wie keine Überschwemmungen gegeben, die scheinen hier ein ganz gutes Entwässerungssystem zu haben.
Um sieben Uhr abends hab ich mich dann nochmal auf den Weg nach Port of Spain gemacht. Heute was Carins Geburtstag was mit einem Abendessen beim Italiener gefeiert werden sollte. Um acht war ich dann wie ausgemacht da, der Restder Gruppe hat sich wohl mehr an die karibische Zeit gehalten. Ich konnte mir die Zeit allerdings an der Bar vertreiben wo mir, zur Feier des kurz bevorstehenden Saint Patrick’s Day, grünes Bier ausgeschenkt wurde. War mal was anderes. Nach und nach sind dann alle eingetrudelt und irgendwann wurde dann auch unser reservierter Tisch frei.
Die Pizza war der Wahnsinn. Es ist lange her, dass ich eine so gute Pizza gegessen hab. Da hat wirklich alles gestimmt. Mit 100TT$ war sie zwar etwas teurer, aber für die Größe und die Qualität absolut das Geld wert. Wer also mal in Port of Spain ne gute Pizza haben will: La Cantina.
Nach dem Essen haben mich dann Jolenne und Carin noch am Busbahnhof abgesetzt von wo aus ich dann per Maxi Taxi heim gefahren bin.
Heute stand wieder mal mehr das alltägliche Leben auf dem Programm. Nach so ner langen Wanderung bleibt man gerne etwas länger liegen, deshalb bin ich auch erst um 10 aufgestanden. Zum Frühstück gab’s dann den Reis von gestern der noch übrig geblieben ist.
Wichtigste Aufgabe für heute war jetzt erst mal Klamotten waschen, denn durch all die Outdoor Aktivitäten werden die doch recht schnell schmutzig, und so viele hab ich ja jetzt nicht dabei. Gibt da nur ein kleines Problem: Keren hat keine Waschmaschine. Also musste ich meine Klamotten im Slülbecken waschen. Erst mal hab ich sie schön eingeweicht und dann war ich doch überrascht wie dreckig das Wasser schon nach kurzer Zeit war. Also Wasser gewechselt und nochmal einweichen lassen. Gleiches Ergebnis. So ging das dann ne ganze Zeit lang bis ich die Sachen halbwegs sauber hatte. Wenigstens gab’s hier nen Wäscheständer, so dass ich die Wäsche zum trocknen aufhängen konnte. Noch den Ventilator dazu gestellt, damit das ganze etwas schneller von statten geht und Keren nicht der Schlag trifft wenn sie aus der Arbeit heimkommt und ihr Wohnzimmer von meinen triefnaßen Klamotten dominiert sieht. Nur am Rande bemerkt: Am schnellsten waren meine Lieblings Klamotten trocken, mein Trekking Hemd und meine Wanderhose. Die waren bisher in jeder Hinsicht ihr Geld wert.
Während die Wäsche so vor sich hin trocknete hab ich etwas geblogt und mir klar nebenbei klar gemacht, dass ich eine meiner zwei Hosen ersetzen muss, denn die ältere von beiden sieht inzwischen schon sehr löchrig aus.
Deshalb hab ich mich am Nachmittag auf den Weg zu TrinCity gemacht, die nahegelegenste Shoppingmall. Nahegelegenste heißt aber trotzdem noch, dass ich ne knappe Stunde zu Fuß und mit Maxi Taxi unterwegs war bis ich dort war. Ich bin bekanntermaßen kein Fan von ewig langen Shopping Touren, doch was sein muss, muss sein und so hab ich ein paar Läden abgeklappert bis ich dann ein Modell in der zugegeben beschränkten Auswahl gefunden habe, welches mich in Optik, Haltbarkeit und Preis überzeugen konnte.
Anschließend bin ich noch schnell in den Supermarkt und hab eingekauft. Wobei sich das „schnell“ natürlich auf mich bezieht und keinesfalls auf die Kassiererin die an der Kasse saß. Aber das bin ich inzwischen ja gewohnt.
Dann hab ich mich wieder auf den Heimweg gemacht und der Tag war damit eigentlich auch schon wieder fast rum. Ich hab noch etwas geblogt und mit Keren nen Film angesehen bevor ich ins Bett bin.
Ein bisschen Text vorneweg: Dieser Eintrag hat mich sicher an die 8 Stunden gekostet, nicht nur wegen des Schreibens, sondern weil ich ihn erst nicht hochladen konnte und dann die Bilder aus einem mir unerfindlichen Grund gedreht waren. Was ich auch angestellt hab, ich hab die Bilder nicht richtig hingekriegt. Aber jetzt ist Schluss damit, ich lass es so. Der Eintrag hat mich genug Nerven und Zeit gekostet. Bei manchen Bildern muss man jetzt den Kopf halt schief legen.
Für heute hatte ich ein Wanderung durch den Chaguaramas National Park geplant. Dafür hab ich mich um zehn Uhr morgens mit Anna in der Stadt getroffen. Sie kommt aus Deutschland und ist für zwei Monate in Trinidad um für ihre Abschlussarbeit zu forschen. Kennengelernt hab ich sie auch auf dem Couch Surfing Netzwerk und wir haben die Wanderung gestern Abend sehr spontan angesetzt. War auch mal wieder ganz nett nach so langer Zeit eine längere Unterhaltung auf deutsch zu führen. Muss aber zugeben, dass es mir öfter passiert ist, dass ich sie englisch angeredet hab oder dass ich zwar auf englisch wusste was ich sagen wollte, mir aber das ein oder andere deutsche Wort grad nicht eingefallen ist. Ganz schön verrückt.
In Port of Spain haben wir uns dann noch in einem Supermarkt mit Wasser und Snacks eingedeckt bevor wir dann in eines der Maxi Taxis gestiegen sind die uns nach Chaguaramas brachten.
Als ich hier gestern zum Golfplatz gelaufen bin hab ich mich an die geteere Straße gehalten die das Tal entlang nach Norden führt. Diesmal sind wir aber gleich am Taleingang nach links in den Wald. Der Weg war größtenteils recht breit, hat sich aber stellenweise zu nem Trampelpfad verengt. Nach wie vor finde ich diese Mischung aus Palmen, Bambus und Bäumen die ich vorher noch nie gesehen hab faszinierend.
Nach einer guten halben Stunde ist unser Weg dann mehr in nen Feldweg umgeschlagen der uns durch zwei so Art Bauernhöfe immer weiter nach Norden führte.
Erstes Highlight der Wanderung war dann ein Adler den wir in einem Baum haben sitzen sehen. Ein richtig großer Brocken, nur leider haben wir uns wohl zu laut genähert, denn er ist davon geflogen ehe ich meine Kamera zücken konnte.
Wir haben uns dann immer mehr dem Golfplatz genähert, allerdings nicht auf direktem Weg, wir sind auch in ein paar Sackgassen gelaufen und mussten wieder umkehren.
Kurz vor dem Golfplatz ging dann ein Trail nach links weg der uns zu den Edith Falls bringen sollte. Das Hinweisschild ist mir gestern schon aufgefallen, aber da hatte ich keine Zeit dem Wasserfall einen Besuch abzustatten. Da wir außerdem in der Trockenzeit sind ist sowieso fraglich ob da überhaupt Wasser fällt.
Nichts desto trotz sind wir drauf los marschiert. Etwa eineinhalb Kilometer sollte es laut Hinweisschild bis zum Wasserfall sein. Die Strecke lässt sich mit nur einem Wort zusammenfassen: Wow!
Die etwas längere Beschreibung: Der Weg startet noch relativ flach, durch ziemlich offenen Bambuswald.
Man merkt aber schon, dass es stetig nach oben geht. Praktisch von Meter zu Meter wird man immer mehr vom Wald umschlossen, der Bambuswald weicht immer mehr etwas was ich gut und gerne Dschungel nennen möchte. Wenn man kurz inne hält und lauscht hört man die verschiedensten Tiere, Affen, Vögel, Grillen, Frösche. Und dazu das Rascheln der Blätter, das knacken der sich im Wind wiegenden Bambusstäbe. Dreimal haben wir auch deutlich etwas umfallen hören, wahrscheinlich auch Bambus.
Der Weg wurde nun auch immer steiler und teilweise sehr schmal. Die letzten dreihundert Meter waren dann nochmal ein Leckerbissen und ich war froh in der Trockenzeit gekommen zu sein. Denn die einzige Möglichkeit noch irgendwie vorwärts zu kommen war das Flussbett mit den mancher Orts riesengroßen Felsbrocken hochzuklettern. Ein richtiger Fluß wars nicht mehr, nur ab und zu hat sich in einer Senke ein kleiner See gebildet, in dem aber auch kleine Fische waren.
Nach all der Kletterei, bei der ich doch sehr vorsichtig war wo ich meine Hände und Füße hinsetzte, denn ich wurde des öfteren vor Schlangen und Skorpionen hier in der Gegend gewarnt, tauchte dann plötzlich diese riesige Felswand auf. Ein starker Anblick. Der Wasserfall selbst war im Prinzip nur eine sprühregenartige Dusche, aber trotzdem sehr beeindruckend. Leider zu groß um ihn auf ein Foto zu bannen, deshalb ein Video.
Hier haben wir dann auch unsere Mittagspause verbracht und ne halbe Stunde die Füße hochgelegt bevor wir uns auf den Rückweg gemacht haben.
Das war echt spitze. Ein weiteres Must See für jeden den es mal nach Trinidad verschlägt. Gesehen haben wir übrigens keine Menschenseele als wir auf dem Trail waren, was die Sache noch besser machte. Ein Geheimtipp.
Danach führte uns unser Weg über den Golfplatz.
Am nördlichen Ende sind wir dann auf einen weiteren Trail gestoßen der uns auf einen der Berge brigen sollte der die nördliche Steilküste Trinidads bildet und anschließend nach Westen verläuft um dann in der Macqueripe Bay endet wo wir vorhatten ein erfrischendes Bad zu nehmen.
Also ging’s los. Anfangs war der Trail auch sehr von Bambus dominiert. Man kommt sich da echt winzig vor wenn man so daneben steht.
Dann ging’s irgendwann richtig steil den Berg hoch. War bei der Hitze und der Luftfeuchtigkeit kein Vergnügen, wir wurden aber mit einer schönen Aussicht nach Süden über das Tal und nach Norden hin auf die Küste belohnt.
Als wir dann immer weiter nach Osten den Berggrat entlang wanderten kam irgendwann auch die Macqueripe Bay in Sicht.
Das war so gegen halb drei, und bei all der Hitze hatten wir dann nur noch eins im Sinn: Ab ins Wasser.
Das Wasser hier auf der Nordseite ist auch bedeutend besser als im Süden oder Westen der Insel. Die Nordseite ist halt die Karibik. Das Wasser ist zwar nicht blau sondern leicht grün, aber sehr klar.
Nachdem ich die Bucht jetzt also auch mal bei Tageslicht gesehen hab und wir uns ausreichend abgekühlt haben sind wir weiter. Ein Highlight stand noch auf meinem Programm für den heutigen Tag. Ein verlassener US Stützpunkt auf einem Berg in der Nähe auf dem eine riesige Radarantenne rumsteht die früher mal Teil des BMEWS (Balistic Missile Early Warning System) war. Der Aufstieg dort hoch war so gegen Ende des Tages schon sehr fordernd. Am Anfang ging der Weg noch durch die so genannte Bamboo Cathedral, eine Allee die zu beiden Seiten so mit Bambus zugewachsen ist, dass die Stäbe ein natürliches Dach zu bilden scheinen.
Nach einem etwa einstündigen Aufstieg haben wirs dann geschafft. Der Vegetation und dem Grad des Verfallens nach zu urteilen müssen die Amerikaner den Stützpunkt wohl schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg aufgegeben haben.
Ja, die ist groß. Mein Forscherdrang war geweckt und so war klar, dass ich mir das Ding mal etwas aus der Nähe anschaue. Die Tür zum Inneren fehlte, so war das auch kein Problem. Im Turm hab ich dann ein paar Leitern gesehen die nach oben führten. Erfreulich. Bis zur ersten Ebene wars noch einfach, da ist Anna auch noch mitgekommen.
Für mich war hier jedoch noch nicht Schluss. Zwar wurde die Kletterei nun etwas schwieriger, Teile der Leitern und der Boden in höheren Ebenen waren durchgerostet (so richtig mit Loch im Boden) und es wurde zunehmend enger. Aber wenn man vorsichtig genug ist ist’s kein größeres Problem oben aus dem Turm rauszuklettern. Das hab ich dann auch gemacht und ich hatte einen echt guten Ausblick von der Stellmechanik der Radarschüssel. Und richtig windig wars hier oben.
Rost
Wie man sieht, das ganze ist schon sehr angerostet. Da wird sich nicht mehr viel bewegen. Als ich mich dann schon wieder auf den Weg nach unten machen wollte ist mir doch noch ein Weg ins Auge gesprungen wie ich ganz in die Schüssel kommen konnte. Das wollt ich natürlich nicht auslassen, wenn ich schon mal so weit gekommen bin.
Einstiegsluke in die Schuessel
In der Radarschuessel
Radarempfaenger
Die Schuessel ist deutlich groesser als sie hier auf dem Bild wirkt…
Dann ging die Kletterei nach unten los. War ein echtes Erlebnis. Unten angekommen hab ich mich dann mit Anna wieder auf den Weg zurück ins Tal gemacht. Der Abstieg war schon wesentlich angenehmer als der Aufstieg. Als wir dann wieder die Bamboo Cathedral durchquerten haben wir plötzlich sehr laute und seltsame Schreie gehört. Fast schon unheimlich, das hat sich nach sehr großen Tieren angehört. Doch wie das so ist, die kleinsten schreien am lautesten. Eine Frau die wir dort getroffen haben hat uns erklärt das wären Houwler Monkey, also Heuler Affen. Die hab ich im Zoo gesehen, und die sind auch nicht größer als Katzen. Hier im Wald haben wir sie allerdings nur gehört und nicht gesehen. Auf unserem Weg zurück zur Hauptstraße wo wir ein Maxi Taxi zurück zur Stadt nehmen wollten bekamen wir aber immerhin noch ein paar Kapuziner Äffchen zu sehen.
Abenddaemmerung im Tucker Tal
Gegen sechs sind wir dann auch in ein Maxi Taxi gestiegen und zurück nach Port of Spain gefahren. Abschließende Bilanz: sieben Stunden unterwegs, davon sechs gewandert. Laut GPS 23,5 Kilometer zurück gelegt. Kein Sonnenbrand, keine Blasen und keinen einzigen Moskitostich. Ein ziemlich guter Tag.
In Port of Spain hab ich dann noch schnell für Abendessen eingekauft, schnell und billig sollte es sein, denn ich hatte echt großen Hunger. Doch alles was der chinesische Supermarkt hergab waren Zutaten für Pasta mit Tomatensauce. Naja, gibt schlimmeres.
Nachdem ich dann gekocht hab bin ich um zehn auch schon ins Bett, war doch ein anstrengender Tag.
Für heute war mal wieder was etwas außergewöhnlicheres geplant. Gegen mittag bin ich losgelaufen um ein Maxi Taxi nach Port of Spain zu nehmen. Dort bin ich dann umgestiegen in ein anderes Maxi Taxi das mich nach Norden in den Chaguaramas National Park gebracht hat. Hab herausgefunden, dass es dort auch einen öffentlichen Golfplatz gibt und das wollt ich mir mal genauer anschauen.
In Chaguaramas angekommen hatte ich dann noch ne Strecke von etwa 4 Kilometer zu laufen um an den Golfplatz zu kommen. War aber ne nette kleine Wanderung, durch echt schöne tropische Wälder.
Irgendwann ging nach links die Straße zum Golfplatz weg und plötzlich war ich buchstäblich umschlossen von Wald. Alle möglichen Arten von Bäumen, zwischendrin auch die ein oder andere Palme und diese riesigen „Büschel“ von Bambus. Aber nicht so mickriger Bambus wie man ihn aus Deutschland kennt. Die richtig großen, so dick wie ein ordentlich trainierter Oberschenkel und gute 10 Meter lang. Beeindruckend.
Während ich dann so die Straße entlang laufe höre ich plötzlich Geräusche die ich vorher nicht gehört hab. Einzelne Bambusstäbe die nicht durch den Wind aneinander geschlagen werden sondern durch was anderes. Und bei genauerem Hinsehen wurde mir dann auch klar was die Geräusche verursacht hat. Eine Horde Kapuzineräffchen die zwischen dem Bambus umher springt. Waren sicher so an die 15 Stück und auch das erste mal, dass ich Affen so richtig in freier Wildbahn gesehen hab. Denen hab ich dann ein paar Minuten zugeschaut bevor ich meinen Weg fortgesetzt hab.
Da sind sie
Nach ein paar Minuten hat sich dann der Golfplatz gezeigt. Ist nicht besonders groß, liegt aber echt schon eingebettet zwischen bergen und dem Wald da. Mich hats dann erst mal ins Clubhaus gezogen wo ich mir ein kühles Bier gegönnt hab bevor ich mich ans Schläger ausleihen gemacht hab. Meine Golferfahrung hält sich ja bekanntermaßen in Grenzen, deshalb wollt ich auch nur neun Löcher spielen und nicht die vollen 18. Der Spaß war dann mit Leihschlägerset für etwa 20€ auch verhältnismäßig günstig. Nur Bälle waren aus unerfindlichen Gründen nicht mit dabei, die musste ich nachverhandeln. Ich hab dann gleich drei gekriegt, was durchaus gut war, denn zwei hab ich auf Nimmerwiedersehen in die Botanik gehauen.
Während ich also darauf gewartet hab, dass das erste Loch frei wird, hab ich nochmal alles im Kopf hervor gekramt was ich so über Schlägerhaltung und -wahl zu wissen glaubte.
Tja, und dann hab ich halt einfach mal drauf losgespielt. Ist ja auch kein Hexenwerk, der Ball muss einfach nur ins Loch. Meinen ersten Ball hab ich übrigens gleich am ersten Loch verloren, sauber ins Wasserhindernis gespielt. Ich behaupte einfach mal, dass ich von Loch zu Loch langsam besser wurde. Was sicher auch daran lag, dass die übrigen Golfspieler nicht mit Kommentaren, schnippischen Bemerkungen und Verbesserungsvorschlägen gegeizt haben. Alles in allem hats schon Spaß gemacht. Über meine Gesamtschlagzahl schweige ich mich aber lieber mal aus. Nur soviel: mein bestes Ergebnis war drei über Par. Hat durch den hohen Andrang auch ganz schön gedauert bis ich durch war, hab drei Stunden gespielt wovon sicher die Hälfte für Warten draufgegangen ist.
Driving Range
Was mir noch aufgefallen ist war, dass der Golfplatz von einigen aus der Ferne betrachtet Trampelpfaden durchzogen war. Äußerst ungewöhnlich für einen Golfplatz. Hab mir dan gedacht, dass es wohl die tägliche Marschroute von Affen oder so ist. Bei näherem hinsehen war das nur zum Teil richtig. Marschroute ja, Affen nein. Marschroute ist vielleicht auch nicht das richtige Wort. Es waren viel mehr Autobahnen auf denen Unmengen von Ameisen durch den Golfplatz rannten.
Die sahen auch groß und gefährlich genug aus, dass ich denen nicht unbedingt näher kommen wollte.
Gegen 18 Uhr war ich dann mit meiner Runde durch und ich hab mich auf den Rückweg gemacht. Es begann auch langsam dunkel zu werden, die Sonne war in diesem Tal auhc schon nicht mehr zu sehen. Was mich wiederum vor ein Problem stellte an das ich zuvor nicht wirklich gedacht hab. Zwar hab ich kein Problem damit die eine Stunde im Dunkeln durch den Wald zurück zur Hauptstraße zu laufen. Allerdings war ich mir absolut nicht sicher wie lange denn hier Maxi Taxis zurück zur Stadt fahren. Denn Chaguaramas ist so ziemlich der nordwestlichste Inselzipfel. Und Maxi Taxis kommen nur hier raus gefahren, wenn sich Leute finden die von Port of Spain aus noch bis hier her fahren. Und wer kommt schon nach Sonnenuntergang noch hier her? Ich hatte also durchaus berechtigte Angst kein Taxi in die Stadt mehr zu kriegen. Beziehungsweise wenn dann doch noch eins vorbeikommt, dass es dann schon voll ist. Denn, was man hier auch wissen muss, Maxi Taxis fahren von den beiden Endhaltestellen nur dann ab, wenn sie voll belegt sind. Und der Ort an dem ich zusteigen würde ist nicht ganz an der Endhaltestelle in Chaguaramas aber doch noch so nahe dran, dass wohl kaum jemand der an der Endhaltestelle eingestiegen ist schon wieder ausgestiegen ist um für mich Platz zu machen.
Ich war also schon in sehr schnellem Tempo auf dem Weg zur Hauptstraße um dem entgegen zu treten, als sich einmal mehr mein Glück von seiner besten Seite zeigte. Keine 400 Meter nach dem Golfplatz hält ein Auto neben mir und der Fahrer fragt ob er mich bis zur Hauptstraße mitnehmen soll. Also rein ins Auto. Bei meinem Wohltäter handelte es sich übrigens um einen der Golflehrer, der mir auf meine Frage nach Leihfährradern für den Park auch gleich noch drei Namen gegeben hat bei denen ich welche kriegen kann. Als Bonus kam dann genau in dem Moment als wir an der Hauptstraße ankamen ein Maxi Taxi vorbei, das ich auch anhalten konnte und das genau noch einen freien Platz hatte. Besser hätt’s nicht laufen können. Mir äußerst guter Laune hab ich dann bei Keren mal angefragt ob ich ihr auch was vom Chinesen mitbringen soll, denn da wollt ich meinen abendlichen Hunger stillen. Ich soll, deshalb bin ich nachdem ich das Maxi Taxi in Port of Spain gewechselt hab und schon fast Zuhause war noch zum Chinesen und hab zwei Portionen Chicken, Nudeln und Reis geholt. Gegessen haben wir dann vorm Fernseher und uns ein bisschen durch die Programme gezappt. Meinen Abend hab ich dann wie üblich mit ein paar Kapiteln in meinem Buch abgeschlossen bevor ich Bett bin.
Gestern hab ich noch mit Paul, einem anderen Weltreisenden den ich schon auf Barbados getroffen hab, und zwei Mädels aus Dänemark die ich über das Couch Surfing Netzwerk kennen gelernt hab, den Plan gefasst heute mal in den Süden der Insel zu fahren um uns dort den Pitch Lake anzusehen, wohl eines der größten Naturwunder auf Trinidad.
Dazu musste ich früh aufstehen, denn wir hatten geplant mit dem Water Taxi von Port of Spain nach San Fernando im Süden zu fahren und dort dann ein Maxi Taxi zum Pitch Lake zu nehmen. Ich musste also schon um 7:30 Uhr am Hafen in Port of Spain sein, denn um 8 Uhr war Abfahrt. Am Terminal hab ich mich mit Paul, Olivia und Clara getroffen. Wir haben die Tickets gekauft, 15 TT$ (keine 2€) für die etwa dreiviertelstündige Fahrt, und haben dann noch Frühstück an einer Hütten am Hafen geholt. Dann gings auf’s Schiff.
Viel war auf dem Schiff nicht los, etwa zwanzig Passagiere. Die Überfahrt haben wir dann größtenteils damit verbracht uns gegenseitig von unseren Reiseabenteuern zu berichten. Dadurch wurde unter anderem auch meine Lust wiedererweckt nochmal per Anhalter mit nem Segelschiff auf ne andere Insel zu reisen. Da werd ich mich demnächst mal im Yacht Club umhören.
In San Fernando angekommen haben wir dann auch gleich ein Maxi Taxi gekriegt das nach Süden fuhr.
Im Maxi Taxi
Die Fahrt, welche nochmal ne gute halbe Stunde gedauert hat, haben wir dann damit verbracht Pauls Handy zu lokalisieren, denn das hat er offenbar auf dem Schiff verloren. Also hab ich mit der Schiffsgesellschaft ein paar mal hin und her telefoniert und es hat sich dann herausgestellt, dass das Handy gefunden wurde und dann am Hafen in Port of Spain auf Abholung wartet. Ist also überraschenderweise gut ausgegangen.
Gegen 9:30 waren wir dann am Pitch Lake. Natürlich kam dann gleich der erste Touristenabzocker der uns die Tour durch den Lake für unglaublich günstige 50TT$ pro Person verkaufen wollte. Zum Glück hatten wir uns vorab informiert und wussten, dass die offizielle Tour nur 30TT$ pro Person kostet. Also haben wir die gebucht. Mussten allerdings warten bis um 10, denn erst dann wurde das Besucherzentrum geöffnet.
Blick aus der Ferne auf den Pitch Lake
Dann gings los. Mit unserem Guide Lindsey sind wir auf den Pitch Lake raus gelaufen. Auf dem Weg dort hin sind wir an einem der vielen Cashew-Bäume vorbei gekommen und nun ist mir auch klar warum Cashews so viel teurer sind als andere Nusse. Pro Frucht gibt’s genau eine Nuss, und viele Früchte hat der Baum scheinbar auch nicht.
Cashewbaum
Cashewnuß
Dann sind wir am See angekommen. See klingt vielleicht etwas verwirrend, denn der Asphalt hier ist an der Oberfläche fast überall fest und begehbar. Die Oberfläche federt leicht, wenn man drüber geht, an manchen Stellen ist sie sogar so weich, dass man Fußabdrücke hinterlassen kann. Interessant auch der Geruch, an manchen Stellen sehr schwefelig, aber überall der Geruch den wohl jeder kennt und mag: Eine Straße an einem schönen Sommertag auf die es vor kurzem geregnet hat.
Der ganze Pitch Lake ist unterteilt in Schollen von etwa 10 Metern Durchmesser an deren Rand aus der Tiefe frischer Asphalt nach oben gedrückt wird. Diese Regionen nennt man Mother of the Lake. Dort kommt dann der wirklich flüssige Asphalt hoch, den kann man auch richtig in Fäden raus ziehen.
Mother of the Lake
Ab und zu kommt auch einiges an Methan aus dem Boden raus. Was man damit machen kann wenn das in so einer Pfütze rausblubbert hat uns Lindsey gezeigt.
Die Tour hat ne halbe Stunde gedauert und war echt gut. So was sieht man nicht alle Tage.
Da hat wohl jemand seine Schuhe verloren
Am Schluss gings dann noch über nen schönen Teich am Rande des Pitch Lakes. Hätte nicht gedacht, dass so nah an dem Pitch Lake so viel wächst.
War ne gute Tour. Aber danach wussten wir alle nicht was wir jetzt mit dem so angefangen Tag machen sollen. Also sind wir erst mal zum nächst besten Strand gelaufen. Aber wie alle Strände hier auf der Westseite der Insel war das Wasser eher weniger einladend und ich bin nur auf einer schönen Bank gesessen und hab den vielen Vögeln zugesehen.
Mittags rum sind wir dann vom Strand wieder abgezogen und haben ein Taxi zurück nach San Fernando genommen. Es war Zeit für Mittagessen. Wir wollten eigentlich ein paar Doubles bei nem Straßenverkäufer kaufen, haben aber keinen gefunden. Deshalb sind wir in den Food Court einer Mall gegangen. Um drei sind die anderen drei dann mit dem Water Taxi wieder zurück nach Port of Spain gefahren. Ich bin noch in San Fernando geblieben, hatte einen Krankenbesuch zu machen. Carin wohnt hier in San Fernando und sie ist seit ein paar Tagen nicht so gut beieinander. Also hab ich da mal vorbeigeschaut. Es ging ihr aber immer noch gut genug um mich abends dann mit einem Steak zu bekochen.
Um halb acht hab ich mich dann auf den Weg zum Busbahnhof gemacht um nen Bus nach Port of Spain zu nehmen. Musste ne halbe Stunde auf den nächsten Bus warten aber dann war ich überraschend schnell Zuhause, hat nur etwas über eine Stunde gedauert.
Heute war mal wieder ein Tag den ich zum Großteil mit bloggen verbracht hab. Das braucht einfach seine Zeit. Nebenbei hab ich noch ein bisschen gelesen und ein paar Ideen für die nächsten Tage und Wochen gesammelt, was man denn hier noch so tun kann. Ganz nebenbei: Es ist auch mal ganz schön wenn man nen Tag Zuhause bleiben kann und nicht durch die Gegend rennen muss.
Abends als Keren dann aus der Arbeit kam haben wir uns noch ein bisschen über das Gesundheitssystem und den Gesundheitszustand der Karibikinseln unterhalten. Keren arbeitet für das Gesundheitsministerium in Trinidad, deshalb kann sie da ganz gute Einschätzungen abgeben. Und hier muss offensichtlich noch viel gemacht werden. Starkes Übergewicht und Diabetes sind nur zwei der Probleme mit denen die Region zu kämpfen hat.
Obwohl ich eigentlich heute nicht viel körperliches geleistet hab bin ich doch auch schon um halb elf ins Bett, stundenlanges starren auf den kleinen Bildschirm meines Handys ermüdet eben doch auch.
Heut stand mal wieder etwas Action auf dem Programm. Doch zuerst musste ich mir am Geldautomaten neues Bargeld holen. Immer ein kritischer Moment, denn wegen der Gebühren heb ich immer recht viel auf einmal ab. Ging aber auch dieses mal wieder glatt, der Weg vom Geldautomaten zu Keren nach hause war zum Glück nur ein halber Kilometer.
Nachdem das dann erledigt war hab ich mich, nachdem ich meinen Rucksack für alle Eventualitäten des Tages gepackt hab, auf den Weg gemacht. Zuerst mit einem Maxi Taxi nach Port of Spain gefahren. Da wars dann auch schon langsam an der Zeit was zu essen zu besorgen, denn gefrühstückt hab ich auch noch nichts. Bin dann schnell in den Food court einer Mall gegangen. Da kann man immer recht günstig essen, hat sogar so ein bisschen Mensa Flair.
Nach dem essen hab ich dann noch schnell ne große Flasche Wasser gekauft und hab mich ins nächste Maxi Taxi gesetzt das mich nach Norden, in den Chaguaramas National Park bringen sollte. Durch all den Verkehr hat das aber auch ne Zeit lang gedauert. Im Endeffekt war ich dann so gegen halb eins dort. Mein Plan war entweder ein Fahrrad zu leihen und dann die Gegend etwas abzufahren und eventuell eine Runde Golf auf dem Golfplatz hier zu spielen oder ein Kayak zu mieten und damit ein bisschen die Küste entlang und zu den kleinen Inseln zu paddeln. Da ich allerdings nirgends ein Fahrrad leihen konnte liefs aufs Kayak hinaus. Mit 40TT$ pro Stunde auch in Ordnung, trotz Wochenendaufschlag. Sind ziemlich genau 5€. Ich habs dann gleich für drei Stunden gemietet, damit sichs auch lohnt. Das Kayak selber machte einen halbwegs vertrauenswürdigen Eindruck, nur die Tatsache, dass ich keine wasserdichte Tonne für mein Zeug dran festmachen konnte hat etwas gestört. So eine Tonne gab’s bei dem Verleih nämlich gar nicht. Also musste mit einem Müllbeutel improvisiert werden, denn mein Zeug wollt ich nicht zurück lassen. Am Kayak befestigen konnte ich das ganze auch nur notdürftig. Obwohl meine Kamera und Handy in nem Zipp Lock Beutel wasserdicht und schwimmfähig gelagert waren, wäre kentern für den Rest meiner Sachen keine gute Idee gewesen. Aber das Meer lag zum Glück ziemlich ruhig da.
Um eins bin ich dann in See gestochen, das war dann erst mal ne riesige Bucht in der nicht wirklich viel zu sehen war. Die musste also erstmal durchquert werden bevor ich irgendetwas spannendes sehen konnte. Hat mich auch ne gute halbe Stunde gekostet, waren schon ein paar Kilometer. Die erste Insel die ich angesteuert hab war wohl so ne Art Schiffsfriedhof. Ich hab acht Schiffswracks gezählt die halb versunken, halb verrostet im Wasser lagen. Dort hab ich erst mal ne kleine Pause eingelegt. Ein nettes Plätzchen, man hört nichts anderes als das sanfte rauschen der kleinen Wellen.
Gestrandet
Pelikan
Nachdem ich die Schiffswracks ausgiebig erkundet hab bin ich weiter die Küste entlang gefahren. Gab dann lange Zeit keinen Ort mehr wo man hätte anlegen können. War aber ne sehr schöne Landschaft, sehr wild und unberührt (wenn man von den Wracks mal absieht).
Je weiter ich dann auf die Westseite der Insel gepaddelt bin, desto stärker wurden dann auch die Wellen und ich hab mir kurzzeitig überlegt nicht doch umzudrehen. Bin aber doch weiter. Man muss halt gut die Balance halten. Und wenn mal wieder ein Schiff vorbei gefahren ist sofort das Kayak senkrecht zu den Wellen ausrichten, sonst hätten die mich sicher umgeworfen. Meine nächste Pause hab ich dann im Schatten dieses Baumes gemacht.
Schatten war nötig, denn Wolken gab’s nur wenige. Noch dazu hatte der Baum so viele Luftwurzeln runterhängen, dass ich mich da problemlos verankern konnte um nicht gegen die Felsen getrieben zu werden.
Nach ein paar Minuten Verschnaufpause im Schatten ging’s dann wieder weiter bis ich die nächste kleine Bucht erreicht hab.
Vom Wasser aus hab ich hier noch ne ganze Menge Vögel gesehen die so ein bisschen wie Geier aussahen, die haben sich aber leider verzogen bevor ich an Land kommen konnte.
Versteinertes Insekt?
Kein grüner Kartoffelchip sondern eine vom Meer glattgeschliffene Galsscherbe
Dann waren auch schon zwei Stunden rum und es war Zeit, dass ich mich auf den Rückweg machte. Nochmal vorbei an einem größeren Schwarm Pelikane, und wieder einmal ganz durch die große Bucht.
Ziemlich genau um Punkt vier war ich dann wieder an Land. Mein Kayak Verleiher hatte zum Glück ne Dusche, denn diese Mischung aus Sonnencreme und dem wenig sauberen Meerwasser wollt ich doch von mir runterwaschen.
Danach stand ich erst mal vor der Frage wie’s jetzt weiter gehen soll. Ich hatte die Option um sieben mit zwei anderen Couchsurfen die mich heute morgen angeschrieben haben zum Abendessen zu gehen. Aber da hätt ich dann noch drei Stunden rumzukriegen. Oder ich fahr heim zu Keren und verbring den Abend da. Konnt mich echt nicht entscheiden, deshalb hab ich mich erst mal auf ne Bank an der Bucht gesetzt und mich von der Sonne etwas trocknen lassen.
Als ich dann halbwegs trocken war bin ich rüber zur Straße gegangen und hab auf nen Bus oder ein Maxi Taxi gewartet. Ein Bus kam zuerst. Ich bin eingestiegen, wollte bei dem Busfahrer ein Ticket kaufen und bekam zu hören, dass er keine Tickets verkauft. Als ich ihn dann gefragt hab wo ich denn ein Ticket kaufen muss hat er gemeint das weiß er auch nicht. Aha. Letztendlich hat er mich dann aber ohne Ticket mitfahren lassen. Ich war immer noch unentschlossen was ich jetzt dan tun soll, heim oder in der Stadt bleiben. Der Bus hat mir dann die Entscheidung abgenommen, denn der fuhr am One Wodbrook Plaza vorbei, der große Wohnkomplex mit dem Pool. Also bin ich da ausgestiegen, hab so getan als würde ich dort wohnen und hab mich nochmal zwei Stunden an den Pool gelegt.
Da hab ich den anderen beiden Couchsurfern geschrieben, dass ich mit ihnen mitgehen würde zum Abendessen. Wir wollten zum Golden Bell gehen, einem Koreaner. Wenn ich so darüber nachdenke war ich noch nie koreanisch essen, ich wusste also nicht was mich genau erwarten würde. Um sieben Uhr war ich dann dort und um sieben Uhr karibische Zeit sind dann auch Ruby und Tyron gekommen. Ganz nette Leute, er studiert Medizin, sie ist selbstständig und hat ein Kosmetikstudio. Was die Wahl des Essens anging hab ich mich dann von den beiden beraten lassen und mir dann zusammen mit Tyron ein Beef Shabu-Shabu geteil. Das hatte ein bisschen was von Erlebnisgastronomie. Man kriegt da nen Topf mit einer Brühe hingestellt die durch eine im Tisch eingelassene Kochplatten zum kochen gebracht wird. Dazu dann eine Platte Sprossen, Pilze, Spinat und sonstiges Gemüse und natürlich hauchdünne Scheiben Rindfleisch. Das ganze läuft dann wie ein Fondue ab, nur dass das Fleisch in fünf Sekunden gar ist, weils so dünn ist. Was immer man sich da dann gerade gekocht hat kommt dann raus aus dem Topf und rein in ein Schälchen in das zuvor, ganz nach eigenem Geschmack, eine Soße aus Knoblauch, Schnittlauch, irgendeinem scharfen Zeug und Sojasoße gemischt wurde. Und dann ab in den Mund. War ausgezeichnet. Zum Abschluss, wenn dann alles gegessen ist wird nochmal eine Portion Nudeln gebracht die man dann in der Brühe kocht und als Abschluss ist. War wirklich klasse. Mit 100TT$ wars auch spottbillig.
Anschließend wollten wir noch in eine Bar auf der Ariapita Avenue gehen, da es aber erst neun Uhr war, war da noch nicht wirklich was los. Also sind wir zuerst noch zur Movie Towne Mall gefahren und dort in eine Eisdiele gegangen.
Danach gings zurück zur Ariapita und ins Nove Sera. Das war um ehrlich zu sein doch etwas langweilig, richtige Partymenschen scheinen die beiden nicht zu sein.
All zu lang konnte ich dann auch nicht bleiben, denn ich hatte keine Ahnung wann denn die letzten Maxi Taxis aus der Stadt in Richtung Flughafen fahren, denn in diese Richtung musste ich um zurück zu Keren zu kommen. Also hab ich mich dann um zwölf verabschiedet und bin ne halbe Stunde nach Downtown gelaufen. War fast etwas unheimlich, bis auf ein paar Obdachlose am Straßenrand wirkte die Stadt wie ausgestorben. Am Busterminal angekommen dann ein kurzer Schockmoment als ich gesehen habe, dass die Gitter alle unten waren. Ich konnte aber zum Glück außen rum gehen und hab auch noch ein Maxi Taxi erwischt dass mich dann nach hause brachte. Dort kam ich dann so um halb zwei an und bin auch gleich ins Bett gefallen.
Hab wieder mal sehr gut geschlafen hab dann all mein Zeug zusammen gepackt und war um neun auch schon bereit zum frühstücken. Bacon, Rührei und Toast. Dann hieß es Abschied nehmen von meiner Gastfamilie. Mir wurde noch mit auf den Weg gegeben, dass sollte ich irgendwelche Schwierigkeiten haben oder sonst was, ich könne jederzeit wieder hier auftauchen. Auch an meine Freunde und Verwandte soll i h das weiter geben, was ich hiermit tue: Wer Trinidad mal besuchen will ist jederzeit bei Marcelle willkommen. Einfach bei mir melden, ich hab die Kontaktdetails.
Abschiedsfoto
Dann ging’s auch schon raus in die Hitze und mit dem Rucksack drei Kilometer bis ich die Straße erreicht hab wo ich ein Maxi Taxi nehmen konnte. War mit dem sperrigen Rucksack nicht ganz problemlos, aber es ging. Gegen Mittag rum bin ich dann bei Keren angekommen, hatte zum Glück nen Schlüssel dabei, denn sie war grad in der Stadt unterwegs. Ich brauchte dann erst mal ne Dusche und etwas Zeit mich von den zwei Stunden Reisezeit zu erholen.
Eigentlich wollte ich heute dann noch schnell zu Mall schauen um mir ne neue Hose zu kaufen, denn eine der beiden die ich dabei hab fällt langsam komplett auseinander. Außerdem war mal wieder ein Besuch in nem Barber Shop nötig, mein letzter Haarschnitt war auch schon fast zwei Monate her. Keren hat mir dann um zwei geschrieben, dass sie auf dem Weg zurück ist und Kebabs mitbringt, so lange wollt ich dann noch warten. Tja, aber sie kam und kam und kam einfach nicht. Um fünf war sie dann da, offenbar war auf den Straßen mal wieder die Hölle los. Da fünf Uhr schon recht spät ist und die Mall doch etwas weiter weg ist bin ich nur noch schnell zum Frisör gegangen. Wie schon beim letzten mal auf Barbados doch etwas ungewohnt wenn kein einziges mal eine Schere zum Einsatz kommt. Es ist dann auch etwas kürzer ausgefallen als ichs mir vorgestellt hab, aber das wächst schon wieder nach. Nachdem ich die umgerechnet fünf Euro gezahlt hab ist mir außerdem aufgefallen, dass meine Bargeldreserven langsam zu Neige gehen. Da aber schon die Dunkelheit hereinbrechen begann hab ich das auf morgen verschoben.
Zuhause war ich dann allein, denn Keren ist den abend über zu ihrer Mutter gefahren. Fernseher blieb aus, ich hab gelesen und mich außerdem für meinen morgigen Ausflug schlau gemacht.
Hab heute sehr gut geschlafen, nur das Aufstehen fiel sehr schwer, denn die Klimaanlage lief auf 17 Grad und solche Temperaturen lassen mich mittlerweile offenbar in eine Kältestarre verfallen. Nachdem ichs dann aus dem Bett geschafft hab, hab ich erst mal noch ne Weile gelesen und konnt mich dann auch Tagsüber nicht richtig dazu aufraffen endlich losgehen um zu Marcelle zu fahren und mein Zeug zu holen das ich da noch eingelagert hab bevor ich zum Carnival zu Keren gezogen bin. Denn wenn ich da erst mal angekommen bin gibt’s nicht mehr viel für mich zu tun. Deshalb wollt ich da erst abends rum auftauchen.
Gegen vier rum hab ich mich dann auch auf den Weg gemacht. Zuerst von hier aus zu Fuß den Highway überquert und dann in ein Maxi Taxi nach Curepe eingestiegen. Dort dann in ein Maxi Taxi Richtung Chaguanas eingestiegen. Das war dann eine dreiviertel Stunde Fahrtzeit.
Im Maxi Taxi nach Chaguanas
Aber die Preise sind wie schon mal erwähnt zum Glück sehr human. In Chaguanas angekommen hatte ich dann noch etwa drei Kilometer zu Fuß vor mir bis ich endlich angekommen war. Und einmal mehr wurde mir klar warum Trinis es „travelling“ nennen wenn sie mit den Öffentlichen fahren und nicht einfach „going“.
Bei Marcelle angekommen wurde ich erst mal wieder herzlich willkommen geheißen. Abendessen war kurz darauf auch fertig. Ich hatte auch noch das Vergnügen Rupert kennen zu lernen, einen Freund von Marcelle der ebenfalls zu Besuch war. Der hat in Miami nen richtig interessanten Beruf: Er baut Sportwagen. Aber nicht irgendwelche, sondern die richtig teuren, Ferrari, Lamborghini, Bugatti. Nun technisch gesehen baut er sie nicht wirklich. Es ist mehr so eine Art Umwandlung eines Autos das ihm seine Kunden liefern in eines dieser Autos. Er hat mir auch Bilder gezeigt, seine Autos sehen absolut identisch mit den Originalen aus. Die kann er dann natürlich auch zu nem billigeren Preis verkaufen als die Originale und scheinbar ganz gut davon leben. Ist aber natürlich auch nur so halblegal… aber auf jeden Fall ein interessantes Gespräch.
Das wars dann auch schon wieder mit diesem Tag. Halt, noch nicht ganz. Eine Sache musste ich noch erledigen. Wäsche waschen. Einmal ganz normal in der Maschine und dann meine Badehose, Socken und Shorts die ich zu J’ouvert anhatte, per Hand im Waschbecken. Das weiße T-Shirt hab ich gleich weggeworfen, das war nicht mehr zu retten. Aber meine Badehose wollt ich doch gerne retten. Denn die Klamotten waren alle so voller roter Farbe, dass ich die auf keinen Fall mit anderen oder auch nur alleine in die Waschmaschine werfen wollte, aus Angst um die Waschmaschine. Ich hab dann auch ne gute halbe Stunde versucht da die Farbe raus zu kriegen, aber es hat nicht geklappt. Wer schon mal ne Farbrolle nach dem Streichen einer Wand sauber machen musste weiß wie das ist. Da kommt einfach immer noch Farbe raus, egal wie oft man die Rolle schon gespült hat. So wars auch hier. Ich habs dann irgendwann sein lassen und werd die Hose einfach so anziehen wenn ich schwimmen geh. Irgendwann wirds schon alle Farbe rausgelöst haben. Und wenn nicht, auch ok. Ne rot gefärbte Badehose ist auch kein Weltuntergang.
Der Tag danach. Irgendwie waren alle um mich rum noch in einem kollektiven Zustand des Ausnüchterns und runter kommens. Jeder ist nur lethargisch irgendwo rumgelegen und hat den Tag an sich vorüber ziehen lassen. Ich hatte das aber ehrlich gesagt nicht nötig, bin die meiste Zeit dann mit nem Buch auf dr Couch gelegen und hab gewartet das hier irgendwas mal vorwärts geht. Da musst ich allerdings lange warten.
Am Nachmittag bin ich dann mit Keren und Ginelle schnell zum Chinesen gefahren um was zu essen zu besorgen. Landestypische Information am Rande: obwohl indischstämmige Menschen hier die absolute Mehrheit der asiatischstämmigen Bevölkerung stellen, sieht man doch enorm viel chinesische Restaurants hier. Keren meinte das liegt an der „chinese community“, wenn mans ganz genau nimmt wohl so was wie die Mafia, die neu angekommen chinesischen Familien Geld zur Eröffnung eines China Restaurants leiht, natürlich verbunden mit gewissen Auflagen wie strikte Abschottung von der übrigen Gesellschaft, Heirat ausschließlich untereinander und natürlich großzügige Rückzahlung des Darlehens. Das könnte durchaus etwas sein was Trinidad in den nächsten paar Jahrzehnten größere Probleme bereiten könnte.
Nach dem Essen, was übrigens echt gut war, hab ich die Zeit dann mit Bloggen verbracht bis wir Zia, Thomas und Ginelle zum Flughafen gefahren haben, denn die mussten wieder zurück nach Barbados.
Da es dann schon recht spät war hab ich beschlossen heute nicht mehr zu Marcelle zu fahren, denn die Fahrt dort hin dauert auch locker ne Stunde, je nach Verkehr sogar länger. Also hab ich die Nacht nochmal bei Keren verbracht, diesmal sogar auf so nem aufblasbaren Gästebett und nicht auf der Couch. Den restlichen Abend hab ich dann größtenteils mit lesen und MTV schauen verbracht. Hier auf Trinidad wird auch die US Version der TV Sender ausgestrahlt und ich muss sagen dass ist echt noch ein krasser Unterschied zu den deutschen Sendern. Eine zwanzig Minuten Show wird mit Werbung so breit getreten, dass eine ganze Stunde damit gefüllt wird. Und die Werbung die da gezeigt wird… Wow. Brainless, stupid shit. Als wäre die Zielgruppe in der geistigen Entwicklung im Kindergarten hängen geblieben (und dies jetzt bitte nicht als Beleidigung der Kindergartenkinder auffassen). Zum Niveau der Shows an sich sag ich mal lieber gar nichts…